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Dritte Bundesliga 27.12.2016

 

Jubelstimmung bei der MSG Groß-Bieberau/Modau nach einer Derby-Leistung, von der sogar Trainer Ralf Ludwig (rechts) schwärmte. 	Fotos:Jürgen Pfliegensdörfer

 

 

 

 

Von Udo Döring/ Darmstädter Echo

HANDBALL Ralf Ludwig schwärmt von Taktik und Umschaltspiel, Tim Beckmann kritisiert Einstellung seiner Mannschaft

DARMSTADT - Diesmal galten nicht die vor dem Derby so gerne strapazierten eigenen Regeln. Diesmal galt der Tabellenstand. Die MSG Groß-Bieberau präsentierte sich mit dem Selbstbewusstsein eines Tabellenzweiten. Die MSG Groß-Umstadt spielte mit der Verunsicherung, für die ein vorletzter Platz nunmal sorgt. Das Resultat war mit 30:19 (16:5) der höchste Sieg im Vergleich beider Drittligisten. Enttäuschung, und Ratlosigkeit herrschte natürlich auf den Tribünen, wo sich weit über 1000 Handballfreunde auf einen spannenderen Vorweihnachtsabend eingestellt hatten – aber vor allem auf der Groß-Umstädter Reservebank.

 

Tim Beckmann war von der Vorstellung seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit so geschockt, dass er an der grundsätzlichen Einstellung zweifelte. „Trotz unserer schwierigen Situation bleibt das ein Derby, und da muss man hinterher in den Spiegel schauen können und als Spieler und Trainer fragen: Habe ich heute für den Sieg alles gegeben?“. Seine Antwort für seine Spieler lautete: „Ich glaube, dass wir ein paar Leute in den Reihen haben, die das nicht von sich behaupten können.“ Für sich selbst antwortete der Trainer: „Ich habe alles gegeben“.

 

 

Tatsächlich versuchte Beckmann auch fünf Minuten vor Abpfiff noch lautstark Spielzüge zu vermitteln – bei zehn Toren Rückstand. In einer munteren zweiten Halbzeit bewegten sich seine Männer zwar auf Augenhöhe, aber die erschreckende erste Hälfte war nicht mehr wett zu machen. „Wir sind nicht spielerisch hinterhergelaufen, sondern mit unserem Abschluss. Wir haben die Bälle nicht reingeworfen und dadurch Groß-Bieberau die Chance gegeben, direkt ins Konterspiel zu gehen.“ Beckmanns Kurzform einer Halbzeit, in der selbst seine Rückraum-Routiniers an der Harmlosigkeit und Ungenauigkeit der eigenen Würfe verzweifelten – und an den Paraden von Bieberaus Torwart Martin Juzbasic. Entsprechend gegenteilig war die Wahrnehmung auf der anderen Seite. „In der ersten Halbzeit haben wir eine richtig gute Abwehr mit einem überragenden Torwart aufs Parkett gebracht. So kommt eins zum anderen und dann läuft es einfach“, strahlte Kapitän Till Buschmann, der persönlich noch auf eine starke Trefferquote aus dem Rückraum stolz sein konnte. Die flinken und konterstarken Außenspieler sowie ein Michael Malik mit hundertprozentiger Siebenmeter-Quote lassen sich noch aus einer Mannschaft herausheben, die ihren Trainer zu dem Fazit brachte: „Die erste Halbzeit war von unserer Seite aus das Handballfest, das wir uns gewünscht hatten.“ Ralf Ludwig schwärmte von „exzellentem Handball, taktisch hervorragend, kämpferisch hervorragend und mit total geilem Umschaltspiel“. Die erste Hälfte hätte gezeigt, wie sich die Mannschaft entwickelt habe und warum sie da stehe, wo sie steht.

 

Das gilt umgekehrt eben auch für Groß-Umstadt. „Wir haben keinen breiten Kader, bei uns kommt es auf jeden Spieler an. Und da müssen in solchen Partien gerade die erfahrenen Spieler die Kohlen aus dem Feuer holen“, erklärte Tim Beckmann, der ernüchtert erkennen musste: „Wir haben einfach heute nicht die Stärke gehabt, uns aus diesem Sumpf rauszuziehen.“

 

Schwankungen der Hinrunde in den Griff bekommen

 

So wurde das Derby zum Spiegelbild der ersten Saisonhälfte. Ralf Ludwig kann daraus den Schwung mitnehmen, mit dem Groß-Bieberau Spitzenreiter Eintracht Hildesheim weiter Druck machen will. Tim Beckmann muss in der kurzen Winterpause wiederum daran arbeiten, das frustrierende Derby und die argen Schwankungen der Hinrunde aus den Köpfen zu bekommen. Parole vor dem nächsten Blick in den Spiegel: „Mund abwischen und weitermachen“.